Ich habe mal wieder in meiner CD-Sammlung gewühlt um eine Aufnahme aus der „van Dusen-Chronik“ zu finden. Dabei ist mir stattdessen eine meiner frühen Bass-Idole in die Hände gefallen: “Some of my best friends are … The Piano Players” (1994). Ich finde es immer wieder faszinierend, wie dieser alte Herr es schaffte, Jazz-Standards seinen persönlichen Stempel aufzudrücken. Jeder Bassist, der sich schon mal an Coltrane´s „Giant Steps“ probiert hat, weiß was ich meine, fast taktweise Wechsel in einem Tempo fern von Gut und Böse. Aber Ray Brown schafft es, das ganz locker gestrichen zu spielen. Absolut meisterhaft. Auf youtube finden Sie zahllose Videos, in denen er seine Klasse beweist.

Some of my best friends are … The Piano Players

Album Cover Telarc

Auf dieser Telarc-Platte arbeitet Ray Brown mit fünf verschiedenen Pianisten zusammen, aber statt einer Hommage an den altgedienten Bassisten (der bei jedem Stück einen Soloauftritt hat) ist die CD eine Hommage an den großen Oscar Peterson, denn die Piansiten Benny Green, Dado Moroni und Geoff Keezer haben ihren Stil in unterschiedlichem Maße an den von Peterson angelehnt. Aber der herausragende Einzelspieler ist eigentlich Ahmad Jamal, der noch nie zuvor mit Brown aufgenommen hatte. Zusammen mit Lewis Nash spielen sie zwei Blues-Stücke sowie „Love Walked In“, allesamt Interpretationen, die den Raum großzügig nutzen und Dynamik große Aufmerksamkeit schenken. Benny Green, der seinen „Ray of Light“ zusammen mit zwei Standards spielt, war in den letzten Jahren regelmäßig mit Brown aufgetreten, und seine Auswahl bietet wenige Überraschungen. Dodo Moroni ist gut bei „My Romance“ und lässt bei „Giant Steps“ ein wenig Erroll Garner einfließen, während Geoff Keezer (der ebenfalls nie mit Brown gespielt hatte) bei „Close Your Eyes“ gut swingt. Die CD schließt mit einem Wiedersehen zwischen Oscar Peterson (der sich gerade von einem Schlaganfall erholt hatte) und Brown bei „St. Tropez“ und dem beschwingten „How Come You Do Me like You Do?“. Das Ergebnis ist insgesamt gefällig und schwungvoll (und dient als Sampler der Stile der Pianisten), aber nicht sonderlich innovativ.

Oscar Peterson on Piano Ray Brown on Bass Ed Thigpen on Drums | 1964

Ein paar Worte zur Biographie

Nachdem Ray Brown bereits mit 8 Jahren angefangen hat, Klavier zu spielen, wechselte er während seiner Schulzeit zum Kontrabass, weil er das intensive Üben nicht mehr mochte. Das Bassspielen lernte er frei nach Gehör und begann schnell, damit sein Geld zu verdienen. Der Legende nach fand sein Musiklehrer heraus, dass sein Schüler nicht nur begabt war, sondern auch mit einem geklauten Schul-Bass spielte! – Tja, nobody is perfekt…

Da es sich in kurzer Zeit einen guten Ruf aufbaute, lernte er die späteren Jazzlegenden Dizzy Gillespie, Art Tatum und Charlie Parker kennen. Zusammen mit dem Gillespie gilt er noch heute als maßgebender Entwickler des Bebob.

Foto: McOleo via wikimedia Lizenz: CCO

Um seine Solokarriere weiter voran zu treiben zog er 1966 (gerade mal 20-jährig) nach L. A.. In seiner neuen Heimat Los Angeles genießt Brown die Vorzüge zweier Welten. Wenn er nicht gerade auf Tournee war, oder für Film und Fernsehen schrieb, gab es für ihn nichts besseres als eine erholsame Runde Golf – mit Ausnahme der Zweisamkeit mit seiner zweiten Frau Cecelia, … seine erste Gattin war übrigens die nicht weniger bekannte Ella Fitzgerald.

Er gewann zahllose Preise und wenn ich mich nicht verzählt habe, dann hat Ray Brown zwischen 1946 und 2002 43 eigene Alben veröffentlicht plus der Alben auf denen er mitgewirkt hat.

Ray Brown starb im Alter von 75 Jahren während einer US-Tournee – kurz vor seinem Auftritt. Bis zum Schluss war bestrebt, mit jungen und aufstrebenden Musiker auf oder hinter der Bühne zu arbeiten.

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